Sonntag, 30. März 2014

Pierre qui roule...

n'amasse pas mousse.....

Wortwörtlich übersetzt heisst dies: "Ein rollender Stein vermoost nicht".

Als ich Tante Google um eine standesgemässe Uebersetzung fragte, kommten 2 Sätze raus. Ich musste lachen, denn sie sind eigentlich grundverschieden:

Unstetigkeit führt nicht zu Reichtum

Wer rastet, der rostet

Diese Aussagen sind doch wirklich sehr verschieden, findet ihr nicht?

Zurück zum Spruch:

Ich liebe diesen Spruch seit meiner Kindheit. Wir mussten in der Primarschule einmal ca. 20 Sprüche auswendig lernen, da kamen sehr viele von La Fontaine und eben auch ein paar andere. Und die Steine haben mich immer berührt, weshalb, weiss ich was, aber schon als Kind ist mir dieser Spruch geblieben.

Es kann mit der Kindheit zu tun haben, mit dem Nomadenleben, dass wir geführt haben in Afrika und dann ich auch später in der Schweiz. Immer Umziehen, neue Umgebung, neue Jobs, und sobald sich die erste Staubschicht wieder gebildet hatte, dann wieder packen und Umziehen usw....

Ein rolling stone also, so fühle ich mich, aber im Nachhinein habe ich die Uebersetzungen trotzdem ein bisschen mehr interpretiert und so sehe ich es (meine pers.  Meinung :-)).

Ein rollender Stein ist immer flexibel, er wird da hingespühlt, richtet sich kurz ein, und rollt dann weiter und wird von einer Kindeshand genommen und ins Wasser geworfen (meine Jungs haben wohl schon eine Tonne zusammen ins Wasser geworfen....), wo er dann weiterrollt, geht, verschwindet, wieder auftaucht oder..... vermoost, weil er plötzlich sich nicht mehr bewegen kann oder eine andere ex-rollende Gemeinschaft gefunden hat, wo er sich wohlfühlt/wohlfüllen muss???

Moos kann eine schützende Funktion haben, aber auch eine hemmende, einengende. Die richtige Balance zu finden, wieviel Moos man ertragen kann, das ist wohl das Geheimnis des Ganzen.

Rasten heisst für mich nicht unbedingt auch sofort rosten, sondern tief durchatmen und ein bisschen Revue passieren, was ist geschehen, wo ist mein nächster Fokus, mache ich mal Pause, die Seele baumeln lassen, bis die nächste Idee einem wieder packt.

Unstetigkeit führt vielleicht nicht zu monetarischem Reichtum, aber Unstetigkeit sehe ich nicht nur negativ, es könnte auch Flexibilität heissen. Der eigentliche Reichtum ist ja der, den ich in mich trage, meine Lebenserfahrungen, das, was ich bin, das, was ich weitergebe, das ist für mich wirklich Reichtum.

So, das war viel Blabla, deshalb hier nun meine Bilder:

Der Quilt heisst "Mousseux", also "Bemoost".

Ich habe dafür eine bemooste Wand genäht (aber ganz edles Moos hier, nämlich Seide :-)) und als Gegensatz Steine, ganz nackt.

Mehr erkläre ich zum Miniquilt nicht, das habe ich ja ziemlich viel vorher.... lach








Ich bin eine schlechte Philosophin, ich weiss, aber ich habe mit ein paar Ideen versucht, die Bedeutung des Spruchs für mich zu erklären..... und somit die Arbeit...

Wo befinde ich mich heute? Nicht mehr nur bei den rolling stones, sondern irgendwo in der Mitte. Ich habe ein bisschen Moos angesetzt, mehr positives als negatives und fühle mich so wie es ist einfach nur pudelwohl....

Kommentare:

  1. Liebe Judy,
    wow, was für ein toller Quilt und deine Erklärungen dazu...mitnichten "Blabla". Da passt Alles zusammen, deine Arbeit, deine Erklärungen, dein Leben und das ist dann das, was im besten Fall ganz stimmig ist. So wie hier. Das Warten hat sich gelohnt!!!
    L.G.
    sigisart

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  2. Liebe Judy,

    mir gefällt dein "bemooster" Quilt...und deine Empfindungen dazu, sind so nachfühlbar und stimmig
    und passend zum Quilt...
    Ich kannte den Spruch noch nicht, aber er hat was...etwas Wahrheitliches!

    Liebe Grüße
    Klaudia

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  3. absolut Klasse... und deine Empfinungen dazu passen... gefällt mir sehr gut
    Sunshine

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  4. Ich mag deine kleine Geschichte sehr. Denn wie immer im Leben, so auch bei Sprichwörtern, gibt es zwei Seiten einer Geschichte. Dein Quilt drückt deine Gedanken wunderbar aus. Mission accomplie ;-).

    LG, Petruschka

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  5. Dein Spruch ist mir auch neu, aber er erzählt eine wunderbare Geschichte, die dein Quilt widerspiegelt! Wunderschön umgesetzt. Gefällt mir sehr, sehr gut. Das bischen Moos hat was!
    LG Melitta

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  6. Diese Redewendung kannte ich bis jetzt auch noch nicht...
    Aber "wer rastet der rostet" fand ich schon immer eher zwiespältig...
    Weil für mich rasten eben auch "zu mir selbst kommen" bedeutet :-)
    Dein Werk finde ich wieder sehr cool!
    Auch die Idee mit der Seide!
    Klasse!!!
    Susanne

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  7. Liebe Judy,
    das Sprichwort kannte ich auch nicht. Du hast es jedenfalls gut erklärt. Mir gefallen abstrakte Sachen immer sehr, denn da geht bei mir sofort die Fantasie auf die Reise.
    LG Marianne

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  8. Wow, was für eine Umsetzung der Redewendung! Dein Miniquilt ist ein Traum!

    LG Grit

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